Mai 2026
In dieser Berufsbildungsmädchen Online Veterinär-Weiterbildung blog, DR. Jessica HigginsGCAHM untersucht die hochpathogene aviäre Influenza (HPAI) und ihre Auswirkungen auf Geflügel und andere Tierarten. Sie analysiert das sich erweiternde Wirtsspektrum von HPAI H5N1 und die klinischen Symptome bei Geflügel, Milchkühen und Katzen. Dr. Higgins betont zudem die wichtige Rolle von Tierärzten bei der Überwachung, der Biosicherheit und der öffentlichen Gesundheit. Bleiben Sie über diese sich entwickelnde Zoonose-Bedrohung und bewährte Verfahren zum Schutz der Tier- und Menschengesundheit informiert!
Nicht nur für Vögel: Auswirkungen der hochpathogenen Vogelgrippe auf Geflügel und andere Tiere
Von Dr. Jessica Higgins, GCAHM
Die Vogelgrippe hat in den letzten Jahren große Aufmerksamkeit erregt. Begriffe wie „Vogelgrippe“ und „H5N1“ tauchen häufig in den Nachrichten auf, manchmal zusammen mit dem Wort „Pandemie“, das oft ungenau verwendet wird, da Berichte auch Infektionen in anderen Tierarten als Geflügel umfassen. Das erweiterte Wirtsspektrum des Virus wirft wichtige Fragen für Tierärzte auf: Was genau ist Vogelgrippe? Wie breitet sie sich zwischen den Arten aus? Und welche Auswirkungen hat sie auf die Tier- und die öffentliche Gesundheit? Dieser Artikel bietet einen praktischen Überblick über die Vogelgrippe mit Schwerpunkt auf dem aktuellen Ausbruch der hochpathogenen Vogelgrippe (HPAI) H5N1, ihrem wachsenden Wirtsspektrum und Aspekten für Tierärzte, die mit verschiedenen Tierarten arbeiten.
Grippe verstehen
Influenzaviren gehören zur Familie der Orthomyxoviridae und sind einzelsträngige RNA-Viren mit segmentiertem Genom. Diese genetische Struktur ermöglicht häufige Mutationen und Neukombinationen, wodurch sich Influenzaviren schnell anpassen und neue Wirte infizieren können. Man unterscheidet vier Gattungen: Influenza A, B, C und D.
Da die Vogelgrippe durch Influenza-A-Viren verursacht wird, konzentriert sich der Rest dieser Ausführungen auf diese Gattung. Influenza-A-Viren werden anhand zweier Oberflächenproteine klassifiziert: Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (NA). Es gibt 18 HA- und 11 NA-Subtypen, die Kombinationen wie H5N1 bilden. Obwohl theoretisch 144 HA-NA-Kombinationen möglich sind, kommen nicht alle natürlich vor oder infizieren jede Wirtsart. Wilde Wasservögel beherbergen die größte Vielfalt an Influenza-A-Viren und dienen als primäres natürliches Reservoir. Diese Vögel tragen die Viren oft in sich, ohne klinische Symptome zu zeigen, und scheiden sie über Kot und Atemwegssekrete in die Umwelt aus. Diese stille Zirkulation erleichtert die Infektion von Hausgeflügel und anderen Säugetieren. Darüber hinaus begünstigen Zugvogelrouten die interkontinentale Ausbreitung und die virale Neukombination, wodurch sich für das Virus weitere Möglichkeiten zur Evolution und Infektion neuer Wirte ergeben.
Vogelgrippe bei Hausgeflügel
Hausgeflügel wie Hühner, Puten und Wachteln ist hochgradig anfällig für aviäre Influenzaviren. Die Krankheit wird je nach ihren Auswirkungen auf Geflügel in niedrigpathogen (LPAI) und hochpathogen (HPAI) eingeteilt. LPAI verursacht in der Regel milde oder subklinische Symptome wie verminderte Legeleistung oder leichte Atemwegsbeschwerden. Die LPAI-Subtypen H5 und H7 werden aufgrund ihres Mutationspotenzials zu hochpathogenen Formen genau überwacht. HPAI verursacht hohe Morbidität und Mortalität und führt häufig zu plötzlichem Tod ganzer Bestände. Weitere klinische Anzeichen von HPAI bei Geflügel können ein deutlicher Rückgang der Legeleistung, Schwellungen der Augenlider, des Kamms, der Kehllappen und der Läufe sowie eine violette Verfärbung von Kamm und Beinen sein. Es können Atemwegssymptome wie Husten und Nasenausfluss sowie neurologische Symptome wie Schiefhals, Ataxie oder Lähmungen und Durchfall auftreten. Historisch gesehen beschränkte sich die hochpathogene aviäre Influenza (HPAI) auf die Subtypen H5 und H7, obwohl jedes Influenza-A-Virus, das die Kriterien der US-Bundesbehörden erfüllt, als hochpathogen eingestuft werden kann. Es ist wichtig zu beachten, dass sich „hochpathogen“ speziell auf den Schweregrad der Erkrankung bei Hausgeflügel bezieht und keine Rückschlüsse auf den Schweregrad bei Säugetieren oder Menschen zulässt. Der aktuelle weltweite Ausbruch wird durch HPAI H5N1 Clade 2.3.4.4b verursacht.
Der aktuelle H5N1-Ausbruch: Zeitlicher Ablauf und Ausmaß
Die aktuelle H5N1-Epidemie ist der längste dokumentierte Ausbruch der Vogelgrippe. Sie trat Anfang 2021 in Europa nach einer Reassortierung mit H5N8 auf und breitete sich nach Asien, Afrika und schließlich nach Amerika aus. In den Vereinigten Staaten wurde das Virus erstmals im Januar 2022 bei Wildvögeln nachgewiesen, gefolgt vom ersten Fall bei Hausgeflügel im Februar 2022, der eine Putenherde in Indiana betraf. Bis Juni 2024 war H5N1 auf allen vier nordamerikanischen Zugvogelrouten bestätigt und hatte bis Dezember 2025 alle 50 Bundesstaaten erreicht. Allein in den Vereinigten Staaten waren während der Epidemie über 185 Millionen Nutz- und Hobbyvögel betroffen, darunter Herden, die zeitweise mehr als ein Drittel der US-amerikanischen Legehennenindustrie ausmachten, was zu Schwankungen im Eierangebot und bei den Preisen führte.
Erweiterung des Wirtsspektrums: H5N1 bei Säugetieren
Eine bedeutende Entwicklung bei diesem Ausbruch ist die Fähigkeit des Virus, Säugetiere zu infizieren. Mehr als 48 Säugetierarten, darunter Robben, Seelöwen, Nerze, Hausmäuse, Waschbären, Rotluchse, Haus- und Wildkatzen sowie Milchkühe, sind betroffen. Die meisten Infektionen bei Säugetieren erfolgen durch Kontakt mit infizierten Vögeln, obwohl auch eine Übertragung von Säugetier zu Säugetier nachgewiesen wurde. Die klinischen Symptome reichen von neurologischen Erkrankungen wie Enzephalitis über Atemwegserkrankungen wie Lungenentzündung und plötzlichen Tod bis hin zu subklinischen Infektionen. Infektionen beim Menschen sind weiterhin selten, und es gibt keine Hinweise auf eine anhaltende Übertragung von Mensch zu Mensch.
Nach seiner Einschleppung nach Nordamerika kam es zur Rekombination von H5N1 mit lokalen Wildvogel-Influenzaviren, was eine Veränderung der Pathogenität des Virus zur Folge hatte. Diese nordamerikanischen rekombinanten Stämme wurden mit schwereren neurologischen Erkrankungen bei Säugetieren in Verbindung gebracht als eurasische Stämme, was die Bedeutung einer kontinuierlichen Überwachung verschiedener Tierpopulationen unterstreicht.
H5N1 bei Milchvieh
Der Nachweis von H5N1 bei Milchkühen markierte einen Wendepunkt in der Epidemiologie und führte in den Vereinigten Staaten zu Aktualisierungen der Überwachungsprotokolle und Biosicherheitsbestimmungen. Der erste Fall in einem US-amerikanischen Milchviehbetrieb wurde im März 2024 in Texas gemeldet, und bis Dezember 2025 wurden über 1,000 Fälle in 19 Bundesstaaten bestätigt. Zu den klinischen Symptomen zählen verminderte Milchproduktion, Lethargie, Appetitlosigkeit, Fieber sowie veränderte Milchkonsistenz oder -farbe, gelegentlich treten auch subtile Symptome der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts auf. Die Übertragung kann von Kuh zu Kuh, von Kuh zu Mensch und von Kuh zu Katze erfolgen. Nationale Eindämmungsstrategien, darunter obligatorische Tests vor Tiertransporten und die Teilnahme an Programmen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) wie „Secure Our Herds“ und der „National Milk Testing Strategy“, zielen darauf ab, die Ausbreitung zu reduzieren. Obwohl Rohmilch übertragbares H5N1 enthalten kann, wird das Virus durch Pasteurisierung inaktiviert, wodurch die Sicherheit der kommerziellen Milchversorgung gewährleistet bleibt.
H5N1 bei Hauskatzen
Hauskatzen sind hochgradig anfällig und erkranken nach Kontakt mit infizierten Vögeln oder Milchprodukten häufig schwer. Die klinischen Symptome können sich bei Katzen rasch entwickeln und akute neurologische Symptome wie Ataxie, Krampfanfälle und Blindheit, schwere Depressionen, Augen- und Nasenausfluss, Atemwegssymptome und gelegentlich plötzlichen Tod umfassen. Risikofaktoren sind die Nähe zu Milchviehbetrieben, der Verzehr von Rohmilch oder nicht ausreichend gegartem Fleisch sowie die Jagd auf Vögel oder Nagetiere. Da eine Infektion mit HPAI bei Katzen Tollwut ähneln kann, sollten Tierärzte H5N1 in die Differenzialdiagnose bei Katzen mit neurologischen Symptomen einbeziehen.
Infektionen beim Menschen und Aspekte der öffentlichen Gesundheit
Bis Dezember 2025 wurden in den Vereinigten Staaten 71 Fälle von HPAI-H5-Subtyp-Influenza beim Menschen gemeldet, die meisten davon im Zusammenhang mit dem Kontakt zu Milchkühen oder Geflügel:
• 41 im Zusammenhang mit der Exposition von Milchkühen
• 24 im Zusammenhang mit kommerzieller Geflügelzucht
• 3 im Zusammenhang mit Geflügelhaltung im Hinterhof
• 1 Fall (November 2025) wurde als H5N5 identifiziert; dies ist der weltweit erste gemeldete Fall dieses Subtyps beim Menschen.
Die meisten Infektionen beim Menschen verlaufen mild und äußern sich häufig als Bindehautentzündung. Obwohl in Medienberichten mitunter der Begriff „Pandemie“ verwendet wird, erfordert eine echte Grippepandemie eine effiziente Übertragung von Mensch zu Mensch, die bei diesem H5N1-Ausbruch nicht stattgefunden hat. Dieser Ausbruch wird daher treffender als panzootisch bezeichnet, da er zahlreiche Tierarten in weitläufigen geografischen Gebieten betrifft.
Prävention und tierärztliche Aufgaben
Tierärzte spielen eine Schlüsselrolle bei der Minimierung des Risikos für die öffentliche Gesundheit durch Überwachung, Meldung und Biosicherheit. Die hochpathogene aviäre Influenza (HPAI) ist bei allen Tierarten meldepflichtig. Verdachtsfälle müssen unverzüglich dem Veterinärdienst des USDA APHIS und den zuständigen staatlichen Veterinärbehörden gemeldet werden. Sie erreichen den Veterinärdienst des USDA APHIS über Ihren zuständigen Tierarzt oder die Hotline für Tierseuchen (gebührenfrei: 1-866-536-7593, auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten und am Wochenende erreichbar). Die Kontaktdaten der staatlichen Veterinärämter finden Sie auch online auf den Webseiten der jeweiligen Landwirtschaftsministerien. Diese Behörden beraten Sie zu Verdachtsfällen, unterstützen Sie bei der Fallbearbeitung und beantworten Ihre Fragen.
Eine qualitativ hochwertige Überwachung ist unerlässlich, insbesondere bei Risikogruppen. Tierärzte sollten strenge Biosicherheitsmaßnahmen umsetzen und ihre Tierhalter entsprechend beraten. Dazu gehören die Minimierung des Kontakts zwischen Haustieren und Wildtieren, die Kontrolle von Tierbewegungen sowie der Verzicht auf Rohmilch und nicht ausreichend gegartes Fleisch. Ressourcen und Leitlinien dazu stehen Tierärzten beim USDA und der AVMA zur Verfügung und können für die Aufklärung ihrer Tierhalter genutzt werden.
Fazit
Die Vogelgrippe H5N1 ist längst nicht mehr nur eine Geflügelkrankheit. Ihre rasche Entwicklung, die interkontinentale Ausbreitung und die Fähigkeit, mehrere Säugetierarten – darunter Milchkühe und Hauskatzen – zu infizieren, verdeutlichen die enge Verbindung zwischen Tier- und Menschengesundheit.
Für Tierärzte unterstreicht dieser Ausbruch die Notwendigkeit erhöhter Wachsamkeit. Tiere mit akuten neurologischen, respiratorischen oder systemischen Symptomen, insbesondere in Regionen mit bekannten Fällen, sollten Anlass geben, eine hochpathogene aviäre Influenza (HPAI) in Betracht zu ziehen. Früherkennung, umgehende Meldung an das USDA APHIS und die zuständigen Landesbehörden sowie strikte Biosicherheitsmaßnahmen sind unerlässlich, um die Ausbreitung einzudämmen und die Gesundheit von Tieren und der Bevölkerung zu schützen. Regelmäßige Überwachung des Gesundheitszustands der Tiere, Kenntnis lokaler Ausbruchstrends und die Einhaltung guter Biosicherheitsprotokolle können dazu beitragen, das Risiko zu minimieren und die Behandlungsergebnisse für Nutz- und Haustiere zu verbessern.
Dieser Ausbruch verdeutlicht das „One Health“-Prinzip und unterstreicht die engen Zusammenhänge zwischen Tier-, Menschen- und Umweltgesundheit. Die Übertragung zwischen verschiedenen Arten, die Neukombination von Virusgenen und vereinzelte Infektionen beim Menschen – die derzeit zwar selten und in der Regel mild verlaufen – unterstreichen die Bedeutung einer koordinierten Überwachung, präventiver Maßnahmen und der Zusammenarbeit zwischen Veterinärmedizin und öffentlichem Gesundheitswesen. Eine effektive Kommunikation mit Tierhaltern und anderen Fachkräften im Bereich der Tiergesundheit ist entscheidend für eine schnelle Reaktion und die Aufklärung über neu auftretende Risiken.
Eine vollständige Ausrottung ist zwar unwahrscheinlich, doch Tierärzte spielen eine zentrale Rolle bei der Eindämmung. Durch sorgfältige Beobachtung, zeitnahe Meldung, Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen und Aufklärung der Tierhalter können sie dazu beitragen, diesen panzootischen Ausbruch zu bewältigen und die Gesundheit von Tieren und ihren Betreuern zu schützen. Proaktive Überwachung und Präventionsmaßnahmen sind weiterhin die wirksamsten Mittel, um die Auswirkungen der hochpathogenen aviären Influenza (HPAI) auf verschiedene Tierarten zu begrenzen.
Abkürzungen:
HA: Hämagglutinin
HPAI: hochpathogene Vogelgrippe
LPAI: niedrigpathogene Vogelgrippe
NA: Neuraminidase
Referenzen: (Die Referenzliste bleibt in der wissenschaftlichen Zitierweise erhalten)
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