Dezember 2025
In dieser Berufsbildungsmädchen Online Veterinär-Weiterbildung blog, DR. Amy KaplancVMA, DACVECC, MRCVS beschreibt detailliert, was bei einem blutenden Tierpatienten zu tun ist. Man fühlt sich schnell überfordert. Liegt es an den Thrombozyten oder an den Gerinnungsfaktoren? Oder ist das gesamte System außer Kontrolle? Hier kann die Gerinnungsdiagnostik helfen, den Fokus zu finden. In Teil 1 dieses VETgirl-Blogs zur tierärztlichen Fortbildung haben wir über Blutprodukte und die Auswahl des richtigen Blutbeutels für den jeweiligen Patienten gesprochen. Lesen Sie diesen Teil daher bitte zuerst. HIER KLICKENIn Teil 2 widmen wir uns der Gerinnungsdiagnostik – der Frage, welcher Teil der Hämostase versagt, damit Sie Ihre Behandlungen gezielt einsetzen und die Blutung bei dem schwerkranken oder notfallmäßigen Hund oder der Katze stoppen können.
Veterinärmedizinische Transfusionsmedizin 101 Teil 2: Wie man Gerinnungstests bei Hunden und Katzen interpretiert
Dr. Amy Kaplan, cVMA, DACVECC, MRCVS, CE-Programmmanager, VETgirl
In Teil 1Wir haben uns mit Blutprodukten beschäftigt: Was ist im Beutel, wie lange sind sie haltbar und wann werden sie eingesetzt? Doch die Produktkenntnisse sind nur die halbe Miete. (Falls Sie diesen Abschnitt noch nicht gelesen haben, finden Sie ihn HIER). Bevor wir das richtige Blutprodukt auswählen können, müssen wir die Ursache der Blutung unseres Patienten kennen. Hier kommen Gerinnungstests ins Spiel. Von einfachen Screening-Tests für zu Hause bis hin zu komplexen viskoelastischen Analysen – wir erklären Ihnen die gängigsten Gerinnungstests, was sie messen und wie sie am Patientenbett angewendet werden. (PS: Für schnellen Zugriff auf übersichtliche Schaubilder besuchen Sie unsere Website.) Toolkit „Klinische Transfusionsgrundlagen“ und sichern Sie sich noch heute Ihren kostenlosen Download!
Erkennen von Patientenblutungen
Zunächst einmal müssen wir den Verdacht haben, dass unser Patient blutet, was tatsächlich nicht immer offensichtlich ist! Sicher, manchmal sieht man eine Lache blutigen Erbrochenens, aber oft ist die Blutung subtiler – ein neuer Bluterguss, ein Hämatom, Petechien oder Ekchymosen, Blässe oder in schweren Fällen ein plötzlicher Kollaps. Sorgfältige körperliche Untersuchung und engmaschige Überwachung sind Ihre ersten Anhaltspunkte.
Primäre vs. sekundäre Hämostase: Wo beginnt die Gerinnungsstörung?
Die erste Aufgabe besteht darin, festzustellen, welches der drei wichtigsten Hämostasesysteme Unterstützung benötigt:
Diese Tabelle dient als praktische Orientierungshilfe, um Ihre klinische Beurteilung zu schärfen und die Testprioritäten festzulegen. Bedenken Sie jedoch, dass sich klinische Symptome mit denen des Hämostasesystems überschneiden können. Nutzen Sie diese Tabelle daher nur als allgemeine Richtlinie und berücksichtigen Sie die Informationen im Kontext Ihrer klinischen Patientenbeurteilung. Ein pragmatisches, schrittweises Vorgehen bei Koagulopathien ist oft der beste Weg.
Thrombozytenzahl und -funktion verstehen
Petechien? Denken Sie an „P“ für Thrombozyten. Aber auch ohne sie sollte bei Verdacht auf Blutungen zunächst die Thrombozytenzahl bestimmt werden – ein schneller und unerlässlicher erster Schritt.
Der Haken? Automatisierte Analysegeräte können durch Thrombozytenaggregate getäuscht werden und so eine fälschlich niedrige Thrombozytenzahl anzeigen. Wenn die Ergebnisse verdächtig aussehen, vertrauen Sie daher Ihrem Auge: Fertigen Sie einen Blutausstrich an, untersuchen Sie den Randbereich auf Thrombozytenaggregate, die sowohl automatisierte als auch manuelle Zählungen verfälschen können, und bestimmen Sie anschließend die Thrombozytenzahl manuell in 10 Gesichtsfeldern unter hoher Vergrößerung. Kurzer Tipp: Ein Thrombozyt pro Gesichtsfeld entspricht ungefähr 15,000 Thrombozyten/µL.
Echte Spontanblutungen treten in der Regel erst auf, wenn die Thrombozytenzahl unter etwa 20–25,000/µL sinkt. Allerdings gibt es immer Ausnahmen. Zytokine und Entzündungsmediatoren, die bei Operationen, Vaskulitis, Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Traumata oder der gleichzeitigen Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. NSAR, Kolloide) freigesetzt werden, können die normale Thrombozytenfunktion beeinträchtigen – daher kann es auch bei Thrombozytenzahlen zwischen 35,000 und 50,000/µL zu Spontanblutungen kommen.
Wenn die Thrombozytenzahl normal erscheint, aber dennoch Blutungen auftreten, sollte man die Thrombozytenfunktion überprüfen. Die bukkale Schleimhautblutungszeit (BMBT) ist eine einfache – wenn auch etwas ungenaue – Methode, um die Effektivität der initialen Thrombozytenpfropfbildung zu beurteilen. (HINWEIS: Die BMBT kann durch Thrombozytopenie künstlich verlängert sein – ein weiterer Grund, zuerst die Thrombozytenzahl zu bestimmen!) Bei diesem Test wird ein kleiner, standardisierter Schnitt in die Wangenschleimhaut gesetzt. Anschließend wird gemessen, wie lange es dauert, bis die Blutung stoppt, während überschüssiges Blut vorsichtig abgetupft wird (um Blutansammlungen oder -ströme zu vermeiden, die das Ergebnis verfälschen könnten). Normale BMBT-Zeiten liegen bei Hunden unter 4 Minuten und bei Katzen unter 2.5 Minuten. Ist die Thrombozytenzahl normal, die BMBT aber verlängert, sollte man an eine von-Willebrand-Krankheit oder eine Thrombozytenfunktionsstörung denken. Dabei ist zu beachten, dass auch NSAR und Urämie infolge von Nierenversagen die Thrombozytenfunktion beeinträchtigen und die Blutungszeit verlängern können. Brauchen Sie eine kurze Auffrischung, wie man einen BMBT durchführt? Schauen Sie sich dieses Video von VETgirl an: Wie man die Blutungszeit der Mundschleimhaut (BMBT) bei einem Hund durchführt.
Sekundäre Hämostase: PT, PTT und ACT
Bei der sekundären Hämostase dreht sich alles um die Gerinnungskaskade – jene nummerierten Faktoren, die Fibrin-Gerinnsel stabilisieren und wahrscheinlich Erinnerungen an PowerPoint-Präsentationen aus dem Veterinärmedizinstudium wecken. Ja, Sie müssen sich tatsächlich noch einige wichtige Punkte dieser Gerinnungskaskade merken! Die wichtigsten Screening-Tests sind die Prothrombinzeit (PT), die partielle Thromboplastinzeit (PTT) und die aktivierte Gerinnungszeit (ACT). Diese Tests dienen typischerweise der Feststellung einer Hypokoagulabilität (z. B. einer verlängerten Gerinnungszeit).
Die meisten Krankenhäuser verfügen entweder über eine PTT- oder eine ACT-Bestimmung, da beide den intrinsischen und den gemeinsamen Gerinnungsweg beurteilen. Der Unterschied? Die PTT ist sensitiver, während die ACT die schnelle, kostengünstige und direkt am Untersuchungstisch durchführbare Methode ist (Jeder Test, bei dem man sich eine Probe in die Achselhöhle spritzt, um die Zeit bis zur ersten Gerinnselbildung zu messen, ist zwar nicht hundertprozentig genau, aber immerhin ein Anfang!).
Bitte beachten Sie: PT und PTT verlängern sich, sobald die Aktivität eines oder mehrerer Gerinnungsfaktoren unter etwa 25–30 % des Normalwerts sinkt. Die aktivierte Gerinnungszeit (ACT) hingegen ändert sich erst, wenn die Aktivität unter etwa 10 % fällt. Ein weiterer wichtiger Punkt: Während PT und PTT nicht von der Thrombozytenzahl beeinflusst werden, kann die ACT bei schwerer Thrombozytopenie fälschlicherweise verlängert sein. Daher sollten Sie zunächst die Thrombozytenzahl überprüfen. Anders ausgedrückt: Bei einer Thrombozytopenie ist die Durchführung einer ACT nicht notwendig. PT und PTT werden jedoch nur dann durch eine Thrombozytopenie beeinflusst, wenn tatsächlich eine Gerinnungsfaktorstörung oder eine zugrunde liegende Erkrankung (z. B. DIC) vorliegt.
Weitere Tests, um das Bild abzurunden
Manchmal liefern die Standardtests – Blutzuckertest (BMBT), Prothrombinzeit (PT), partielle Thromboplastinzeit (PTT) und aktivierte Gerinnungszeit (ACT) – nicht alle Informationen. Wenn die Basisuntersuchungen keine eindeutigen Ergebnisse liefern, können zusätzliche Tests helfen, genauer zu bestimmen, ob das Problem bei der Fibrinogenbildung (Blutgerinnselbildung), der Fibrinolyse (Blutgerinnselabbau) oder der allgemeinen Gerinnselstabilität liegt. Diese Tests müssen in der Regel an ein Referenzlabor geschickt werden, daher liegen die Ergebnisse nicht sofort vor – die Informationen können aber bei der Behandlung komplexer Gerinnungsstörungen entscheidend sein.
Thrombinzeit (TT)
Die Thrombinzeit (TT) untersucht den letzten Schritt der Blutgerinnung – die Umwandlung von Fibrinogen (löslich) durch Thrombin in Fibrin (unlöslich). Thrombin wird dem Plasma zugesetzt, und die Zeit bis zur Gerinnselbildung wird gemessen. Eine verlängerte TT kann auf einen niedrigen, fehlenden oder funktionsgestörten Fibrinogenspiegel oder auf Störungen (z. B. durch Heparinisierung oder Kontamination) hinweisen.
Fibrinogenaktivität
Dieser Test prüft, ob ausreichend Substrat für die Bildung eines stabilen Blutgerinnsels vorhanden ist. Konkret misst er den Spiegel an funktionellem Fibrinogen im Patienten. Im üblichen Weg spaltet Thrombin Fibrinogen in Fibrinmonomere, die anschließend zu langen Fibrinsträngen polymerisieren. Faktor XIII (Fibrinstabilisierender Faktor), der ebenfalls durch Thrombin aktiviert wird, vernetzt diese Fibrinstränge und stabilisiert so das Blutgerinnsel.
Beim Fibrinogenaktivitätstest wird dem Plasma des Patienten eine übermäßige Menge Thrombin zugesetzt. Durch die Zugabe von Thrombin wird sichergestellt, dass jede Verzögerung oder Schwäche der Gerinnung auf ein Problem mit dem Fibrinogen selbst und nicht auf einen Thrombinmangel zurückzuführen ist. Die gemessene Gerinnungszeit korreliert umgekehrt mit der Fibrinogenkonzentration des Patienten.
Niedrige Fibrinogenwerte können auf Leberversagen, disseminierte intravaskuläre Koagulopathie (DIC), angeborene Defekte oder schwere Mangelernährung hinweisen. Erhöhte Fibrinogenwerte sind häufig mit Entzündungen, Infektionen, Schwangerschaft oder Herzerkrankungen verbunden und können ein erhöhtes Thromboserisiko signalisieren.
Die Kombination von TT mit der Fibrinogenaktivität (Fibrinogenspiegel) offenbart ebenfalls klinisch nützliche Trends:
- Verlängerte TT + Fibrinogen = Hypofibrinogenämie
- Verlängerte TT + normales Fibrinogen = Dysfibrinogenämie
Fibrinabbauprodukte (FDPs) und D-Dimere
Man kann sich FDPs und D-Dimere wie die Überreste vorstellen, die beim Abbau von Blutgerinnseln zurückbleiben. FDPs spiegeln den allgemeinen Abbau von Fibrinogen oder Fibrin wider, unabhängig davon, ob sich jemals ein stabiles Gerinnsel vollständig gebildet hat. D-Dimere hingegen sind spezifischer – sie entstehen nur beim Abbau von vernetztem Fibrin (der stabilisierten Form eines Gerinnsels).
Diese Unterscheidung macht D-Dimere klinisch aussagekräftiger. Erhöhte D-Dimer-Werte weisen auf eine Fibrinolyse vollständig ausgebildeter, vernetzter Blutgerinnsel hin. Zu den Erkrankungen, die häufig mit erhöhten D-Dimer-Werten einhergehen, zählen disseminierte intravaskuläre Koagulopathie (DIC), Hyperfibrinolyse und thromboembolische Erkrankungen (z. B. Lungenembolie).
Aber hier liegt der Haken: Die Interpretation ist nicht immer einfach. Ein erhöhter D-Dimer-Wert bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Fibrinolysestörung vorliegt; diese Tests sind unspezifisch. D-Dimer-Werte können auch bei übermäßiger Blutgerinnung ansteigen, wobei die Fibrinolyse lediglich die normale physiologische Reaktion darstellt – beispielsweise nach einem Trauma, einer Entzündung oder in der postoperativen Phase. Daher sollten D-Dimer-Ergebnisse immer im gesamten klinischen Kontext interpretiert werden!
Viskoelastische Prüfung
Wenn Sie sich noch fragen, wie Sie diese Ergebnisse interpretieren sollen, bietet die viskoelastische Testung mit ihrer umfassenden Echtzeit-Ansicht von Blutgerinnselbildung, -festigkeit und -auflösung (Lyse) eine Komplettlösung. Thromboelastographie (TEG) und Rotations-Thromboelastometrie (ROTEM) sind zwei unterschiedliche viskoelastische Testverfahren, die sowohl Blutungsneigung als auch Hyperkoagulabilität (z. B. zu schnelle Gerinnung) in einer einzigen Untersuchung erkennen können. Obwohl diese Tests derzeit noch hauptsächlich in Überweisungszentren und veterinärmedizinischen Diagnostiklaboren durchgeführt werden, sind mobile Systeme zunehmend verfügbar. Mit der verbesserten Verfügbarkeit hat die viskoelastische Testung das Potenzial, die Diagnose und Behandlung von Gerinnungsstörungen in der täglichen Praxis grundlegend zu verändern.
Gerinnungstests können kompliziert erscheinen, müssen aber nicht überfordern. Gehen Sie die Tests Schritt für Schritt an, verstehen Sie, was sie aussagen können (und was nicht), und fragen Sie im Zweifelsfall einen Kollegen – einen Pathologen, ein Diagnostiklabor oder Ihren Hausarzt für Intensivmedizin oder Innere Medizin!
VETgirl-Tipps
- Erst schauen, dann laborieren: Wenn wir unsere Patienten nicht beobachten, erkennen wir auch nicht die frühen klinischen Anzeichen einer Blutung.
- „P“ steht für Thrombozyten: Im Allgemeinen (aber nicht in allen Fällen!) deuten Petechien auf eine Thrombozytenvermehrung hin. Niedrige Thrombozytenwerte sollten im Blutausstrich bestätigt werden – Verklumpungen können die Analysegeräte täuschen. Echte Spontanblutungen sind selten, solange die Thrombozytenzahl nicht unter 20–25/µl liegt. Eine Thrombozytenfunktionsstörung kann jedoch bei höheren Werten zu einer akuten Blutung führen.
- Gerinnungs-Screening-Team: PT, PTT und ACT sind Ihre primären Screening-Tests zur Beurteilung der sekundären Hämostase. PTT und PT werden durch eine schwere Thrombozytopenie nicht beeinflusst, während ACT künstlich verlängert ist.
- Zusätzliche Tests: Führen Sie zusätzlich TT, Fibrinogen und D-Dimere durch, um mehr Kontext zu erhalten, wenn die grundlegenden Gerinnungstests nicht ausreichend aussagekräftig sind. Interpretieren Sie die Ergebnisse stets im Zusammenhang mit dem Patienten und anderen Daten (insbesondere bei den unspezifischen D-Dimeren).
- Betrachten wir das große Ganze: Viskoelastische Tests (TEG/ROTEM) liefern ein Gesamtbild der Blutgerinnselbildung, -festigkeit und -auflösung und sind in großen Notaufnahmen und Überweisungskrankenhäusern immer leichter zugänglich.
Fazit: Klinische Anzeichen müssen mit dem richtigen Test kombiniert werden, die Grenzen jedes Tests müssen bekannt sein, und die Ergebnisse müssen stets im klinischen Kontext und mit einem schrittweisen, pragmatischen Ansatz interpretiert werden.
Möchten Sie diese Informationen schnell zur Hand haben, wenn Sie sie brauchen? Laden Sie unseren Leitfaden zur Interpretation von Gerinnungstests herunter. Toolkit „Klinische Transfusionsgrundlagen“
Abkürzungen:
ACT: Aktivierte Gerinnungszeit
BMBT: Zeit bis zur Blutung der Mundschleimhaut
DIC: Disseminierte intravaskuläre Koagulation
FDPs: Fibrinabbauprodukte
PT: Prothrombinzeit
PTE: Lungenembolie
PTT: Partielle Thromboplastinzeit (oft synonym mit aPTT, aktivierte partielle Thromboplastinzeit verwendet)
ROTEM: Rotations-Thromboelastometrie
TEG: Thromboelastographie
TT: Thrombinzeit
vWF: von-Willebrand-Faktor
Referenzen: (Die Referenzliste bleibt in der wissenschaftlichen Zitierweise erhalten)
- Silverstein DC, Hopper K, Hrsg. Small Animal Critical Care Medicine. 1. Aufl. St. Louis, MO. Saunders Elsevier; 2009:510.
- eclinpath.com, Cornell University College of Veterinary Medicine, https://eclinpath.com/hemostasis/tests/screening-coagulation-assaysZugriff am 5. August 2025.
- Herring J, McMichael M. Diagnostisches Vorgehen bei Blutgerinnungsstörungen bei Kleintieren. Top Companion Anim Med. 2012;27(2):73-80.





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